Podiumsdiskussion »Gesundheit in Stadt & Land«

Veröffentlicht am 13. Februar 2026


Die Gesundheitsversorgung im Landkreis Lörrach ist massiv unter Druck. In den ländlichen Teilen des Kreises wird die Nachbesetzung von Praxen immer schwieriger, gleichzeitig verschärft sich in der Grenzregion zum Ballungsraum Basel der Wettbewerb um Fachkräfte und medizinisches Personal. Viele Menschen spüren bereits heute, wie angespannt die Versorgung vor Ort ist. Die FDP Lörrach will diese Entwicklung nicht hinnehmen und setzt auf konkrete Reformen statt weiterer Verwaltungsschichten.

Vor diesem Hintergrund zog die FDP Lörrach nach einer erfolgreichen und gut besuchten Podiumsdiskussion zur Zukunft der Gesundheitsversorgung am Dienstag, den 10. Februar 2026, ein positives Fazit. Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte, Vertreter aus dem Gesundheitswesen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Landkreis folgten der Einladung in den Startblock in Lörrach. Ziel der Veranstaltung war es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam praktikable Lösungsansätze zu diskutieren.

»Gesundheit darf keine Frage des Wohnorts sein«, heißt es bereits in der ursprünglichen Ankündigung der FDP.

Breite Diskussion – von Bürokratie bis Patientenorientierung

Nach einer ausführlichen Einführung durch Moderatorin Jutta Frasch, Botschafterin a.D., kamen alle Podiumsgäste zu Wort. Die Diskussion zeigte deutlich, wie komplex die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind – und wie wichtig es ist, verschiedene Blickwinkel zusammenzuführen.

Ärzteschaft: Bürokratie frisst Zeit – Patientensteuerung unzureichend

Ingolf Lenz, Vorsitzender der Ärzteschaft Lörrach, verwies darauf, dass nach seiner Einschätzung inzwischen rund 40 % der Arbeitszeit vieler Ärztinnen und Ärzte für bürokratische Aufgaben aufgewendet werden. Gleichzeitig sei die Patientensteuerung unzureichend: Viele Menschen suchten direkt Fachärzte auf, obwohl eine erste Einschätzung beim Hausarzt sinnvoll wäre. Zudem habe ein Umdenken in der Ärzteschaft stattgefunden – immer mehr Medizinerinnen und Mediziner wünschen sich Teilzeitmodelle. Zudem verwies er auf eine spürbare Abwanderung gut ausgebildeter Ärztinnen und Ärzte in die Schweiz, wo für viele die finanziellen Rahmenbedingungen attraktiver sind und oft mehr Netto vom Brutto bleibt.

Patientenfürsprecher: »Gehört werden ist oft der erste Schritt zur Besserung«

Peter Hüttlin, Patientenfürsprecher der Kreiskliniken Lörrach, betonte die Bedeutung von Zuwendung und Kommunikation. Viele Patientinnen und Patienten bräuchten vor allem ein offenes Ohr und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Diese menschliche Komponente gehe im heutigen System häufig verloren.

Kassenärztliche Vereinigung: Gute Ausbildung – aber hinderliche Vorgaben

Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg hob hervor, dass Deutschland über eine große Zahl gut ausgebildeter Ärztinnen und Ärzte verfüge. Dennoch erschwerten gesetzliche Vorgaben die Niederlassung an vielen Standorten. Die KV verstehe sich als Vermittlerin zwischen Patientinnen, Ärzten und Versicherungen – und sehe Reformbedarf vor allem bei den Rahmenbedingungen.

Politische Perspektive: »Wir müssen bereit sein, neu zu denken«

Jochen Haußmann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP/DVP-Fraktion im Landtag, berichtete von seinem Besuch im neuen Gesundheitszentrum in Grenzach-Wyhlen am selben Vormittag. Er unterstrich, wie wichtig es sei, Ideen aus der Bevölkerung aufzunehmen und mutig neue Wege zu gehen.

Felix Düster: »Veränderungen brauchen Kraft und Willen«

Felix Düster, FDP-Landtagskandidat im Wahlkreis Lörrach, schilderte die Situation aus Sicht eines Arbeitgebers und machte deutlich, wie stark das Gesundheitssystem vielerorts unter Druck steht. Er machte deutlich, dass die bestehenden Strukturen seit Jahren an ihre Grenzen stoßen. Zum Abschluss betonte er: »Es ist wichtig, dass wir bereit sind für Veränderungen. Veränderungen brauchen immer Kraft und Willen. Nur so bekommen wir die seit Jahren wachsenden Probleme in den Griff.«

Diskutierte Lösungsansätze: Von Telemedizin bis Wettbewerb der Kassen

Die Diskussion brachte eine Reihe konkreter Ideen hervor:

    Mehr Eigenverantwortung: Patientinnen und Patienten sollten bewusster entscheiden, ob ein Arztbesuch notwendig ist.
    Ablehnung einer einheitlichen Bürgerversicherung: Auf dem Podium wurde die Auffassung vertreten, dass ein solches Modell die Problematik mehrfacher Arztbesuche eher verschärfen könnte.
    Telemedizinische Ersttriage: Digitale Angebote könnten helfen, Patientenströme besser zu lenken und Hausärzte zu entlasten.
    Selbstbeteiligungsmodelle nach Schweizer Vorbild: Höhere Selbstbeteiligung könnte zu bewussteren Entscheidungen führen – bei gleichzeitig niedrigeren monatlichen Beiträgen.
    Stärkung des Wettbewerbs zwischen Krankenkassen: Weniger, dafür leistungsstärkere Kassen könnten das System effizienter machen.
    Kritik am Primärarztmodell: Es wurde die Sorge geäußert, dass ein verpflichtender Erstkontakt beim Hausarzt organisatorisch kaum zu stemmen sei und die Praxen zusätzlich belasten würde.

Fazit

Die FDP Lörrach wertet die Veranstaltung als wichtigen Impulsgeber. Die große Beteiligung und die konstruktive Diskussion zeigen, wie sehr das Thema die Menschen im Landkreis bewegt. Für die FDP ist klar: Gesundheitsversorgung braucht weniger Bürokratie, mehr Zeit für Patientinnen und Patienten und Rahmenbedingungen, die ärztliche Tätigkeit im Kreis wieder attraktiver machen – im ländlichen Raum ebenso wie in der Grenzregion zum Ballungsraum Basel.

Dazu gehören aus Sicht der FDP eine stärkere Ausbildung und Bindung des medizinischen Nachwuchses vor Ort sowie eine pragmatische, grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Schweiz, wo dies für die Versorgung sinnvoll und rechtlich möglich ist. Digitale Unterstützung und bessere Steuerung sollen entlasten – nicht neue Pflichtmodelle und zusätzliche Verwaltungsebenen. Die FDP Lörrach wird diese Ansätze in ihre politische Arbeit auf Kreis- und Landesebene einbringen und den Dialog fortsetzen.

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei Herrn Dr. Udo Schwehr für die Organisation dieser Veranstaltung. Mit viel Einsatz und guter Planung hat er maßgeblich zum Gelingen beigetragen.