Hausärztemangel in Grenzach-Wyhlen

Veröffentlicht am 12. Dezember 2025


Die FDP Grenzach-Wyhlen warnt eindringlich vor einer systemkritischen Unterversorgung in der hausärztlichen Betreuung der Gemeinde. Mit einer aktuellen Versorgungsquote von nur rund 78 Prozent ist die medizinische Grundversorgung gefährdet. Besonders mit dem neuen Ortsteil Kapellenbach Ost verschärft sich die Lage weiter.

Die Hausarztpraxis Gartenstraße trägt inzwischen die Hauptlast der Versorgung. Sie behandelt rund 5.000 Patienten pro Quartal, doppelt so viele wie noch 2022, und betreut damit geschätzt 75 Prozent aller hausärztlich versorgten Patienten in Grenzach-Wyhlen. Diese extrem hohen Fallzahlen pro Arzt sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gemeinde faktisch unterversorgt ist. „Wir stehen an einem Kipppunkt. Wenn wir jetzt nicht handeln, droht die hausärztliche Versorgung zusammenzubrechen“, erklärt die FDP-Fraktion.

Besonders deutlich wird das Engagement der Hausarztpraxis in der Ausbildung, denn sie übernimmt nicht nur die Qualifizierung von Medizinischen Fachangestellten, sondern begleitet auch junge Ärztinnen und Ärzte in ihrer Weiterbildung. Im Hauptausschuss hat die Praxis klar gemacht, dass sie bei der Gewinnung von PJ-Studierenden (Praktisches Jahr) auf Unterstützung angewiesen ist. PJ-Studierende absolvieren jeweils vier Monate am Stück in der Praxis; häufig folgen mehrere Studierende direkt nacheinander. Für diese Zeiträume sind sie auf geeigneten Wohnraum angewiesen. Die FDP betont, dass es eine zentrale Aufgabe der Gemeinde ist, hier aktiv einzuspringen und mit konkreten Angeboten die Attraktivität Grenzach-Wyhlens als Standort für den ärztlichen Nachwuchs zu erhöhen.

Die Ursachen für die aktuelle Situation sind vielfältig. Bezahlbarer Wohnraum ist ein Kernproblem, das viele junge Ärztinnen und Ärzte davon abhält, sich hier niederzulassen. Viele bleiben nach dem Studium in Freiburg, weil sie in Grenzach-Wyhlen keine Perspektive finden. Hinzu kommt der demografische Wandel, der mit einer steigenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen den Versorgungsbedarf erhöht. Gleichzeitig fehlt es an Nachwuchs, da die Bereitschaft zur Niederlassung abnimmt, während die Gemeinde wächst. Belastend wirken zudem die zunehmende Bürokratie und die Anforderungen der Digitalisierung.

Die FDP fordert deshalb ein entschiedenes Vorgehen der Gemeinde. Wohnraum für Hausärzte und PJ-Studierende muss mit Vorrang geschaffen und bezuschusst werden, etwa über die Wohnbau, die Baugenossenschaft oder private Anbieter. Ebenso sind familienfreundliche Rahmenbedingungen wie Kita-Plätze im Interesse aller und ein entscheidender Standortfaktor. Die FDP sieht es zudem als notwendig an, dass gemeindeeigene Praxen als Ausbildungsstätten für Nachwuchsärzte dienen und dass Grenzach-Wyhlen durch gezieltes Standortmarketing in Fachzeitschriften und Online-Portalen sichtbar wird. „Wir müssen jetzt handeln, nicht nur reden. Persönliche Zusagen für Wohnraum und Unterstützung sollten sofort umgesetzt werden. Das Ärztehaus in Wyhlen hat gezeigt, dass solche Modelle funktionieren. Grenzach-Wyhlen darf nicht zurückfallen“, betont Felix Düster, Mitglied der FDP-Fraktion und Landtagskandidat.

Auch die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung muss kritisch hinterfragt werden. Zwar weist die KV rechnerisch eine hausärztliche Versorgung von 79 Prozent aus, doch die Realität zeigt deutlich höhere Belastungen. Die Verdopplung der Patientenzahlen in der Hausarztpraxis Gartenstraße, die steigende Einwohnerzahl durch Neubaugebiete sowie die Altersstruktur der Bevölkerung müssen berücksichtigt werden. Ein Gemeinderatsbeschluss zur Bitte um Überprüfung der Bedarfsplanung wäre formal zulässig und könnte die KV zwingen, ihre Daten neu zu berechnen. Damit könnte die Unterversorgung offiziell festgestellt werden, ein wichtiger Schritt für weitere Fördermaßnahmen.

Die FDP Grenzach-Wyhlen macht deutlich: Investitionen in Wohnraum, Infrastruktur und Nachwuchsförderung sind unerlässlich, um die Gemeinde für Ärztinnen und Ärzte attraktiv zu machen. Nur durch gemeinschaftliches Handeln kann Grenzach-Wyhlen ein lebenswerter Ort bleiben, mit einer verlässlichen medizinischen Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger.